pendeln

Rhabarber Baiser Mürbteig Kuchen

Das Hin- und Her über das Meer wird uns alle noch eine Weile begleiten. Von beiden das Beste genießen, der alten und der neuen Welt, in jeder Hinsicht. Anders mögen wir es nicht betrachten, den sonst würden wir irgendwann an der Pendelitis keinen Gefallen mehr finden. Es gibt noch viel zu erledigen, bevor die Bündel endgültig geschnürt werden. Wir nehmen Abschied in Raten und nähern uns an mit Gemach, fatalistisch altweltlich betrachtet. Fast scheint es, als täten uns einwanderungseitig die Formalitäten einen großen Gefallen, positiv neuweltlich betrachtet.

Bei einer der, glücklicherweise häufig auftretenden, Pendeleien fiel mir ein ganzes Kompendium an Ideen für die Verwendung von altweltlichem Rhabarber in die Hände. Vielseitig lassen sich die Roten in allerlei Feines verarbeiten. Versucht bin ich, mich langsam an die pikanten Varianten heranzuwagen. Den Anfang jedoch soll trotzdem die Verbindung von säuerlich, herben Rhabarberstücken mit einer süßen Anisstreuselhaube machen, eine nette Kleinigkeit, schnell zum Dessert bereitet, um müde Geister nach langen Tagen zum Leben zu erwecken. Die Anregung für das Rezept kam vom oben gezeigten Blatt und hat nun in der unten aufgeschriebenen, leicht abgewandelten Form ein festes Plätzchen in unserer Pendelküche gefunden.

Zutaten: 500 g Rhabarber, 4-5 El Rohrohrzucker, etwas geriebene Vanille, 3-3 El Anissamen, 100 g Rohrohrzucker, 100 g Butter, 150 g Dinkelmehl, 60 g feine Haferflocken, 1 Prise Salz

Rhabarber in Würfel schneiden, in eine gebutterte Auflaufform schichten und mit Zucker und Vanille bestreuen. Bei 200°C im vorgeheizten Backofen weich backen. Währenddessen die Anissamen kurz in der Pfanne rösten. In einer Schüssel die leicht gebräunten Anissamen mit den restlichen trockenen Zutaten vermischen. Die Butter in Würfeln dazugeben und alles mit den Fingerspitzen zu Streuseln verkrümeln. Die Auflaufform mit dem Rhabarber aus dem Ofen holen und die Streusel darüber verteilen. Weitere 20-25 Minuten backen, bis die Streusel goldbraun sind.

Noch warm mit einem Klecks geschlagener Sahne oder Creme frâiche genießen. Als Ambiente eignen sich sowohl ein regnerischer Abend im bayerischen Oberland als auch ein warmer Frühsommerabend im Commonwealth of Virginia oder alle weiteren, in individueller Zuneigung verbundenen Heimatorte.

Nikki+++

kräuterkunst

Tonbilder_Pflanzenabdruck_2

The spring came suddenly,
bursting upon the world as a child bursts into a room,
with a laugh and a shout and hands full of flowers.
Henry Wadsworth Longfellow

Tonbilder_Pflanzenabdruck_3

Zum Nachmachen mit lufttrocknendem Ton und Wiesenblumenvielfalt. Mehr Mittfrühlingsgeschichten und maigrüne Ideen bei Caros Grünzeug.

Frühlingt schön!
Nikki+++

kapriziös

Himbeer-Schokoladen-Torte

Heute stand bei unserer Suche nach dem Torten-Top-Modell eine weitere Kandidatin im Scheinwerferlich oder vielmehr in unserer vom sonntäglichen Regenhimmel nur trüb erleuchteten Küche. Auf den ersten Blick schien sie alle Wünsche des familären Kuchengeschmacks in sich zu vereinen: dunkler, schwerer Schokoladen-Himbeerboden, himmlisch leichte, fruchtige, zartrosa Himbeer-Baiser-Buttercreme und ein Häubchen aus zartbitterer Schokokruste.

Dennoch, die Kandidatin gebärdete sich äußerts kapriziös. Sie entäuschte beim Casting für den Kuchenboden, der zu dicht einer gewissen Leichtigkeit entbehrte. Die Himbeer-Baiser-Creme-Challenge war mehr als nur Herausforderung, geronn sie doch zur fein schmeckenden, jedoch nicht so hübsch anzusehenden, geflockten Masse. Die endgültige Entscheidung fiel mit der Schokoladenhaube, die anders als gewünscht sich mit der Baisercreme unschön vermengte und nicht elegant fließend, sondern schwerfällig über den Laufsteg schleppte.

Allein innere Werte konnte die Kandidatin in den Augen der Jury nicht retten. Trotz guten Geschmacks wird diese Tortenmadame zu Hause bleiben müssen.

Nikki+++

saumselig

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Eigentlich sollte ich mir derzeit hauptsächlich Gedanken über textiles Gestalten im künstlerisch-therapeutischen Kontext machen, um dann diese, hoffentlich klugen Erkenntnisse in Buchstabenform zu einem kleinen, feinen, auf Papier gedruckten Exkurs zu verweben. Doch wie gerne verzögert man solche Aufgaben, in meinem Falle dann auch noch mit Vorliebe durch praktischen Testreihen der eigentlich abstrakt zu beschreibenden Technik, sozusagen saumselig im Selbstversuch.

Solch selbstversuchende Verzögerung ereigenete sich kürzlich an einem stillen, kaffeduftumwehten, nicht nur saumseligen, sondern ebenso noch etwas traumseeligen Sonntagmorgen. Auf und ab hüpfte das Schiffchen, mit bunten Fäden und Resten von ungesponnener Wolle bestückt, segelte es hin und her über den Rahmen, der noch aus grauer Schulvorzeit stammen muss. Anstatt Buchstaben verwoben sich Fädchen zu einem kleinen, feinen, saumseligen Exkurs aus Textil. Die Quasten taten mir besonders gut, so herrlich zurückversetzend in die quastenverzierte Trompetenärmel-Schlaghosen-Häkelwesten-Kinderzeit. Wer eine sechs im Geburtsjahrzehnt trägt, der weiß sicher, was ich meine. Die Inspiration für die nun täglich die Frühstückslaune hebende Übersetzung des Wandbehangs ins einundzwanzigste Jahrhundert kam von hier und hier.

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we | ben, starkes und schwaches Verb

    1. Längs- und Querfäden zu einem Gewebe kreuzweise verbinden
    2. durch Weben herstellen
    1. (gehoben) [als geheimnisvolle Kraft] wirksam, am Werk sein
    2. (gehoben) auf geheimnisvolle Weise allmählich entstehen

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Seelig sei jene, die Zeit vergessend, saumseelig wöbe.

Nikki+++

anders grün

Pond_Turtle in the sun

In unserem Haus leben mit der kleinen Miss auch der Herr Erfinder und sein Kumpan, der Fährtensucher. Wir wollen nicht verhehlen, dass die beiden sehr gerne und ausführlich vor allerlei elektronischem Spielgerät verweilen und sie oft nur unter Androhung schlimmster Übel zu bewegen sind, den Ausschaltknopf zu drücken. Ist diese Herausforderung jedoch gemeistert, dann zieht es sie ins Grün, das sich hinter dem Haus in Üppigkeit auftut.

Der dichte Wald mit dem wild rauschenden Bach wird hier park genannt. Für unsere verzärtelten Seelen von der anderen Seite des Atlantiks, die eine über Jahrhunderte kultivierte Landschaft gewohnt sind, handelt es sich hier jedoch eher um eine ungebändigte, geheimnisvolle, dämmerige Wildnis voll wundersamen Getiers, das wir bisher nur selten und dann eher im Tierpark zu sehen bekamen. Im Frühling kommt der Wald noch licht und lieblich daher, der creek mäandert friedvoll durch einen Teppich aus Frühlingsblühern und der Himmel spannt sich lichtblau über den sanft wogenden Baumkronen. Je mehr der Sommer jedoch voranschreitet, desto undurchdringlicher wird das Gehölz, der Bach schwillt an unter den heftigen Sommergewittern und verlässt auch gerne mal sein Bett. Hohe Bäume werde von tosenden Stürmen gefällt und der Liebgewonnene schneidet daraus freudig Feuerholz für den Winter. Gefährlich klingende, unbekannte Tiere und Pflanzen lauern dann auf uns im dunkelgrünen Gebüsch: poison ivy, snapping turtle, copperhead snake und red velvet ant. Die Einheimischen erzählen uns mit Vorliebe Geschichten von Bären, die des Winters ihre Beute im Garten verspeisen und warnen uns vor der schrecklichen Pain, die der giftige Efeu verursacht, den wir bisher im Wald vor lauter Blättern nie erkennen konnten. Nie vergesse ich den Schreck, der mir durch die Glieder fuhr, als ich bei einem morgendlichen Lauf plötzlich direkt in die dunklen Augen eines Rothirsches blickte. Im ersten Sommer hielt die kleine Miss den schwirrenden Chor der Zikaden, der von Juni bis Oktober die Luft erfüllt, für das Zischeln der Schlangen und der Gestank der gewaltigen snapping turtle, die sich im Netz verfing, waberte dem Herrn Erfinder noch eine ganze Zeit lang in der Nase.

Nach nunmehr zwei Sommern sind wir ein wenig gelassener im Umgang mit der überseeischen Natur. Der Herr Erfinder und der Fährtensucher stapfen barfuß durch den Uferschlamm und versuchen sich im Fangen der Forellen, die den Bach bevölkern und die kleine Miss blickte im letzten Sommer mit Flip Flops und Bikini bewaffnet forsch der Schlange ins Auge, die sich auf dem Pfad zum nachbarschaftlich geteilten Schwimmbad sonnte. Wir haben gelernt, dass die hohen, dicht belaubten Bäume in den heißen Sommern Kühle und Schatten spenden, dass die Flüsse die Glieder erfrischen und nicht erstarren lassen und dass uns das üppige, feuchte Grün handtellergroße Schmetterlinge, Gottesanbeterinnen, Kolibris und andere zauberhafte Kreaturen beschert.

So manche Unsicherheit mit der rauen Natur der Neuen Welt wird wohl noch eine Weile unbewältigt bleiben. Dennoch, in diesem Jahr bezauberten uns im Frühling die Wasserschildkröten im Teich neben dem Baseball Feld und der eleganten Graureiher, der sich auf einem Stein im Bach niederließ.

Pond_Schildkröte

Frühlingsgrün, so anders, als wir es bisher kannten, heute im Besonderen für Caros Grünzeug.

Nikki+++

vom lösen und binden

Applique Dress Grey and White_pattern_close up

Viele Wochen, viele Fädchen, verzwirbelt zu Knötchen geknüpft, gelöst und wieder gebunden, gewandert mit Nadel und Faden durch eine Landschaft in Grau-Weiß. Wie Lebenswege, die sich umeinander schlingen um wieder auseinander zu gehen, die sich entfernen und wieder zueinanderfinden. Fäden, die lose verbunden in der Vergangenheit, sich in der Gegenwart zuneigend umeinander drehen, Knoten knüpfend, um zukünftig ein Stück Stoff gemeinsam zu erwandern, vereint in einem textilen Raum-Zeit-Kontinuum.

Das Handnähen ist mir das liebste Nadlen. Es läßt mir Zeit mit dem Muster die Gedanken zu erforschen, den Stoff mit Herzblut zu erfüllen, das Kleidungsstück zum Kleid zu machen. Bereits zum vielten Male habe ich mir Nathalies Bücher zu Hilfe genommen, verknüpft mit Zuneigung zum Süden, Herzland voll Tradition, Vielfalt, Geschichte, Zwiespältigkeit, das mir zur Heimat werden soll. Ich nähere mich an, wandere hierhin und dorthin, um zu verstehen, was ich vielleicht nie ganz verstehen kann.

Applique Dress Grey and White_skirt

Applique Dress Grey and White_pattern_2

Applique Dress Grey and White_neck

to tie the knot, engl, [coll.] [fig.]: den Bund fürs Leben schließen

Silver String Sandals

ever tried.
ever failed.
no matter.
try again.
fail again.
fail better.
(Samuel Beckett)

Mein zweiter Versuch. Er ist es wert.

Nikki+++

bebildert

Kirschblütenbild

Kürzlich durch die digitale Bildablage klickend, war ich ein wenig traurig über all die lichtbildnerischen Momente, die ihr Dasein in einem kleinen schwarzen Kästchen fristen. Zwar darf manch ein Moment das Licht der Welt noch einmal in einem Fotoalbum erblicken, die Mehrzahl jedoch und vorallem jene, die für diesen kleinen Ort im Netz geknipst wurden, bleibt dauerhaft im Dunkeln.

Noch während ich die Trostlosigkeit der digitalen Archivierung betrauerte, entrümpelte der Herr Kollege seine Werkstatt und begann die Reste hölzernen Zuschnitts in die Unendlichkeit zu karren. Das Herz beseelt vom Mitgefühl für unbeachtete Schönheiten, stellte ich mich mutig in seinen Weg, um die Herausgabe der Holzblöcke zu verlangen. Die Beute triumphirend von Dannen schleppend, wuchs bereits die Idee für die Verwendung.

Gemeinsam sollten Fotos und Holz ein zweites Leben eingehaucht werden und sie so zu ihrer wahren Bestimmung finden.

Fotos auf HolzBilder auf Holz_2
Fotos auf Holz_3

Gemalt, gedruckt, geschnitten, geleimt, getrocknet. Gerettet.
Rosé, Grau und Gold.
Meine Stimmungsbilder zum creadienstag.

Nikki+++

pflanzzeit

Kirschblütenzweig

Vor unserem Haus steht ein Kirschbaum. Gemeinsam haben ihn der Liebgewonnene und ich im letzten Jahr gepflanzt. Es ist noch ein Kirschbäumchen, mit zarten Ästen und hellgrünem Laub und auf süße Früchte werden wir wohl noch mit einiger Geduld warten müssen.

Das kleine, zarte Bäumchen hat sich schon einiger Anstürme der Natur erwehren müssen, allen voran den knabbernden Waldbewohnern, die sich trotz des vierbeinigen Gefährten in unseren Garten wagen. Leise stacksten sie im letzten Sommer des Nachts aus dem Wald und unversehens war unter ihren samtenen Nasen von dem wohlausgesuchten, mit Liebe gepflanzten, feingliederigen Bäumchen nur noch ein zerrupfter Rumpf übrig.

Wie ein kleines Ausrufezeichen stand das Kirschbäumchen in diesem Frühjahr vor uns und erinnerte uns daran, dass einen Garten anzulegen, wie das Leben ist: ein Ort des wiederkehrenden Kreislaufs, den Naturgewalten trotzend, unter den Händen der Gärtner blühend und gedeihend, jedes Jahr ein wenig mehr dem Plan im Innern gleichend. Wie das Bäumchen wollen wir miteinander wachsen, wollen Haus und Garten zu unseren machen. Es soll der Ort sein, an den die Ausfliegenden immer wieder gerne zurückkehren und es soll Zuhause sein für die, die noch ein Weilchen bleiben werden. Es soll der Ort unseres gemeinsamen Lebens sein.

Aus der Verstümmelung wagten sich kürzlich in der Frühlingsluft grüne Knospen hervor. Weiße Blüten reckten sich in den Sonnenschein, voller Zuversicht, dass wir alle langsam aber stetig über langbeinige Waldbewohner und andere Anstürme hinauswachsen werden.

Pflanzzeit mit Hoffnung auf Kirschkuchen.

Nikki+++

erdbeerblüte

Erdbeersahnetorte

Die kleine Miss und ich haben anlässlich eines anstehenden, sommerlichen Ereignisses der transatlantischen Familienzusammenführung ein über geraume Zeit andauerndes Projekt in Angriff genommen. Wir wollen den leichtesten Biskuitboden, die fruchtigste Füllung und die am sanftesten auf der Zunge zergehende Butter- und Sahnecreme oder vielleicht doch besser zierlichstes Zuckerfondant herstellen, mehrstöckig zusammenbauen, liebevollst verzieren und im Anschluss daran natürlich auch verspeisen. Der Sahnetortentestmarathon hat bereits eine überaus üppige Schokoladen-Espresso-Torte und eine luftige Erdbeer-Zitronencremetorte hervorgebracht und gipfelte nun am vergangenen Wochenende in einer frühlingshaft, zartrosa erstrahlenden Erdbeerblüte.

Bei unserem Totenprojekt herrscht strenge Arbeitsteilung, wobei von meiner Seite das Grundgerüst geliefert wird und mir ansonsten höchsten handlangernde Dienste abverlangt werden, während die Tüpfelchen auf den i’s von der nunmehr zur Madam Patissier herangewachsenen kleinen Miss höchst selbst und mit größtmöglicher Ernsthaftigkeit angebracht werden. Sollte ich es wagen, diese Hierachie mit zu viel Enthusiasmus über den Haufen werfen zu wollen, brandet mir sogleich aufrechte Empörung entgegen, ob meines Mangels an Vertrauen in die zuckerbäckernden Fähigkeiten der jungen Dame. Die hohe Kunst des Verzierens habe schließlich nichts mit Lebensalter zu tun. Sprach’s und tupfte zielstrebig weiter.

Bei unseren Studien hilft uns derzeit dieses Buch, wobei wir allerdings die Zuckermenge meist etwas reduzieren. Weitere Empehlungen für Literatur nehmen wir gerne entgegen!

Die Erdbeerblüte war bisher meine liebste Tortenfreundin. Ein Weiße-Schokoladen-Frischkäse-Traum, drei Stockwerke hoch, in jedem frisch gerührter Erdbeerkonfitürenschaum. Der Clou im Biskuitboden waren pürierte Erdbeeren, die vor dem Backen ins Ei-Zucker-Mehl-Gemisch rutschten.

Die Meinungen über die Favoritin gehen bisher noch sehr auseinander. Es muss noch etwas weiter und mehr auf der Zunge zergehen gelassen werden. An freiwilligen Testpersonen mangelt es uns derzeit nicht. Sogar die schulseitig mit ihm ackernden Kollegen des Herrn Erfinders schielten bereits nach dem Tortenstück in der Brotzeitbox und boten ihre Testerdienste an, sollten unsere Geschmacksnerven gelegentlich erlahmen.

Über die Siegerin unserer Suche nach dem Torten-Top-Modell wird noch zu berichten sein, nicht ganz so televisionär wie ähnlich lautende Such-Marathons, aber dafür umso schmackhafter.

Nikki+++

mädchenzimmer

Chalk Paint Project Desk_4

Die kleine Miss hat ein Zimmer mit Aussicht. Nachts leuchten die Sterne in ihr Bett und morgens blinzelt ihr die Sonne zu. Sie kann den Postboten bei seiner Wanderung durch die Vorgärten beobachten und sie sieht den orangen Schulbus oben an der Straßenecke halten. Sie weiß immer wann trash day ist und kann ihrer Freundin im Haus gegenüber zuwinken.

Die kleine Miss hat ein Mädchenzimmer. Wenn die Mädchen aus dem bayerischen Zuhause über den Ozean fliegen, kampieren sie im Zimmer der kleinen Miss. Eine Mädchenwagenburg sozusagen. Der Herr Erfinder und sein Zimmergenosse trauen sich dann kaum noch an der Tür vorbei.

Die kleine Miss hat große Pläne für ihr Mädchenzimmer. Sie wünscht sich einen Spiegel und einen Sessel. Beides haben regelmäßige Streifzüge durch die Gebrauchtwarenkaufhäuser noch nicht hervorgebracht. Sie besitzt jedoch bereits einen zierlichen Schreibtisch, der über die Jahre schon den unterschiedlichsten Zwecken diente. Kürzlich entdeckte die kleine Miss darin eine Kiste mit Baseballkarten. Als Gefährte der kleinen Miss sollte nun der Schreibtisch ein neues Kleid erhalten, angetan die Spuren von Skateboardaufklebern und männlichem Überhangmandat in diesem Hause zu verhüllen.

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Chalk paint, en vogue im Shabby Chic, leicht zu verarbeiten, elegante Farbnuancen, für jede Oberfläche geeignet, endlich habe ich mich daran versucht und bin nicht mehr zu stoppen. Völlig haltlos möchte ich alles bepinseln, was mir unter die Borsten kommt. Es sei dem Liebgewonnenen angeraten, so verkündete ich kürzlich, meine Entschlossenheit mit einem tropfenden Pinsel untermalend, besser alles aus meiner Reichweite zu verräumen, was nicht von einer kreidigen Schicht überzogen werden sollte. Sprach’s und fand auch schon das nächste hölzerne Objekt.

In Kellys sympathischen Lädchen finden sich die pudrigen Töne in allen Schattierungen, in Deutschland sind die Farben hier zu haben. Diese und das als Schutzschicht unbedingt notwendige Wachs kosten etwas mehr als Abtön- oder Acrylfarben, eine Dose Farbe ist jedoch ausreichend für mehrere Projekte. Wer die hohen Kosten für die Markenfarbe scheut und gerne experimentiert, der kann sich auch an selbst angerührten Farben versuchen. Ein Rezept gibt es hier.

Chalk Paint Project Desk_5

Ein beinahe perfekter Mädchentraum.

Nikki+++