das salz in der butter

Butter geschlagen_web

 

Wer hier durch diese Seiten stöbert, dem fällt auf wie häufig doch die Rede ist vom Hin und Her, von Pendeleien und Annäherung, Zeilen geschrieben mal von Hier und dann wieder von Dort und man wundert sich, wann denn nun der Schritt gewagt, das Kapitel geschlossen, der Neuanfang beginnen wird. Tätsächlich stellt sich mir diese Frage jeden Tag aufs Neue und in der Unwägbarkeit der Antwort oder mangels dergleichen fällt es oft schwer, die Zuversicht im Herzen zu halten, den Traum zu träumen, den Weg weiterzugehen. Das Leben drückt und schiebt uns durch die Jahre, die Sommer vergehen, wir fliegen über den Ozean, uns glücklich schätzend, dass es gelingt und gleichzeitig ein Ende herbeisehnend. Mannigfaltig sind die Gründe und gut genug dazu, sich lieber dreimal im Kreise zudrehen anstatt mit Mut voranzugehen. Dennoch, wir gehen weiter, nur die Schritte sind manchmal kleiner und die Hindernisse fordernder, als wir uns sie wünschten. Das Herz pendelt zwischen Ort und Zeit, hoffend, trotzig, zuversichtlich. Ich zähle die Tage und Wochen, mich gegen die Gleichförmigkeit des Alltags stemmend und gleichzeitig annehmend die Form, die es braucht, um Herz und Zuhause zu vereinen.

Heilsam sind in Momenten der Zerrissenheit die stillen Augenblicke der Küchenexploration. Der Hände Beschäftung schafft Freiraum im Kopf und entlastet das Herz. Ich mag es wenn feiner Duft sich entfalten kann, Aromen durch meine Küche ziehen, Zutaten nach einem Marktag verheißungsvoll aus den Taschen kullern. Neuland betreten, Unbekanntes ausprobieren, Anderes wagen, es gelingt hier, immer wieder und wieder. Oft braucht es keine großen Idee, das Einfache ist es, das umso mehr entzückt.

Nie daran gedacht, aber schon immer gewußt, wer Rahm zu lange schlägt wird Butter in der Schüssel haben. Warum auch nicht? Zweimal wird soviel Sahne aufgeschlagen, wie gerade zur Verfügung steht. Mit dem Pürierstab einmal zur festen, flockigen Sahne rühren und weiter bis die Butter sich vom Wasser trennt. Das Butterstück in einem Baumwolltuch gut ausdrücken und mit allem mischen, was man gerne hat. Hier sind es Blüten, Kräuter oder auch nur ein paar Körner Meersalz.

Magisch, der kleine Küchenaugenblick, wie das Salz in der Butter.

Nikki+++

 

 

 

tröpferlkaffee

Kaffekanne und Filter
Kaffeefilter

Morgendämmerung ist eine zauberhafte Stunde. Ein Moment der seeligen Ruhe. Zeit für ein stilles Ritual. Unzählige Jahre gehörten die frühen Morgenstunden nicht mir allein, vielmehr bestimmten andere, wann ich wachen oder träumen sollte. Nach einer Dekade der Uneinigekeit scheint nur der Frienden wieder hergestellt. In unserem Haus wohnen in trauter Drei- bis Fünfsamkeit Träumer, Langschläfer, Herumlieger, Bettflieher und frühe Vögelchen. Dazu gibt es die Frühstücksmuffel und diejenigen, für die dieses Mahl das Wichtigste des Tages ist, nur eben nicht zur gleichen Zeit. Meist ergibt es sich, dass ich bettfliehend auf die kleine Miss, eben jenes frühe Vögelchen treffe, und da wir beide zu den Frühstücksgenießern gehören, trifft es sich gut.

Kürzlich hat sie ihre Liebe zur Kaffekocherei entdeckt. Mit der Kaffeegenießerei dagegen möchte sie noch eine Weile warten, deshalb krendenzt sie mir liebevoll am Sonntagmorgen auch gerne mal im Bett den kleinen, heißen, schwarzen Morgengruß aus der Espressokanne. Heute morgen widmeten wir uns in frühmorgendlicher Stille gemeinsam der alten Kunst des Kaffeeaufgusses. Der Flohmarkt hat unsere Frühstücksausstattung um eine Kaffeekanne mit Wärmehaube ergänzt und da das Aufbrühen des Kaffees inzwischen wieder zum besonders guten Frühstückston gehört, soll dieses nun unser zweisames Morgenritual zur Vollendung führen.

Fast ein wenig kurious mutet es an, wie dieses bislang großmütterlich anmutene Aufbrühen des Kaffees seine Renaissance erlebt. Besonders die überseeische Kaffeekultur scheint tief in die Kunst des Filterns, des drip coffee einzutauchen. Mit heiligem Ernst zelebriert sie die tägliche Schönheit des Brühens: ästhetisch ansprechend, formvollendet ausgestattet mit Glaskolben und langtülligen Wasserkesseln, hier und hier geschmackvoll in Bilder und Worte gekleidet.

Kaffekanne von unten

In trauter Zweisamkeit hören die kleine Miss und ich dem Morgenkaffee zu, wie er leise dufted durch den altbekannten Großmutterfilter in die gute, sich um unzählige Kaffeetafeln in deutschen Wohnstuben verdientgemachte Großmutterkanne tröpfelt.

Es schließen sich Kreise des Lebens, immer wieder, still und in beruhigender Regelmäßigkeit.

Nikki+++

der widerspenstigen zähmung

Stachelbeeren

Meine Großeltern hatten, wie es sich in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts gehörte, einen Nutzgarten. Während sich vor der Terasse die Tulpen und Rosen aneinanderreihten und in einem kleinen, von meinen Großvater jedes Jahr in frischer blauer Farbe gestrichenem Becken die Goldfische tummelten, war die größte Fläche des Gartens hinter dem Haus bar jeder Gartenromantik. Bäume verschiedenener Apfelsorten standen in Reih und Glied und wurden jedes Frühjahr zuverlässig gestutzt. In akkurat mit Betonstein eingefassten Beeten wuchsen Salatköpfe und sprossen Karotten und Radischen in abgezirkelten Linien. Nur eine kleine Pfingstrosensammlung und die Clematis an der Schuppenwand zauberten einen Hauch Farbe und Wildheit in das zweckmäßige Grün.

Am Rande der Gemüsebeete standen Beerenbüsche Spalier. Zwischen Johannisbeersträuchern und Himbeerruten hatte auch ein Stachelbeerbusch seine Heimat. Ich erinnere noch, dass meine Mutter jedesmal ob dieser putzigen, behaarten Beeren in helle Verzückung geriet. Ich konnte ihre Freude nicht so recht teilen, denn die so niedlich aussehenden Früchte entpuppten sich als eher widerspenstiges Obst. Sie hatten eine zähe Schale und das säuerliche Fruchtfleisch erschien mir auf keinen Fall als kulinarische Offenbarung. Darüberhinaus wehrten sich die hellgrünen Gesellen gar bösartig gegen die Ernte. Jedes Mal wenn ich eine von ihnen zu pflücken wagte, fuhren sie ihre scharfen Krallen aus und ich bezahlte die zweifelhafte Gaumenfreude mit roten Striemen auf der damals noch sehr jungen Haut. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Mutter trotz ihres großen Entzückens, ihre grünen Freunde jemals in irgendeiner Speise zu Ehren kommen ließ. Dies weckte in mir den Verdacht, dass die stacheligen Beeren keinem andern Zweck dienten, als hungrige Beerenpflücker in ihrem Elan erlahmen zu lassen. Ohne Zweifel standen die Obstgartenwächter und ich die längste Zeit auf Kriegsfuß miteinander.

Nun ergibt es sich, dass mit den Lebensjahren auch eine gewisse Milde gegenüber früher herzlich Abgelehntem Einzug hält. Es mir inzwischen nicht nur möglich, die spröde Schönheit der Stachelbeere zu goutieren, vielmehr spüre ich jetzt selbst die vormals so eigentümlich erscheinende, mütterliche Verzückung über die bittersüße Beere. Die Zähmung der Widerspenstigen erleichterte mir dieses Buch, mein täglicher Begleiter durch die Obstgartensaison.

Stachelbeer-Apfel-Pie

Stachelbeer-Apfel-Kuchen nach Nigel Slater
Zutaten für den Teig: 150 g Butter, 150g Rohrohrzucker, ein Ei getrennt, 250 g Dinkelmehl, ein Teelöffel Backpulver Zutaten für die Füllung: ein Pfund Stachelbeeren, eineinhalb Pfund säuerliche Äpfel, 125 g Rohrohrzucker, 3 Esslöffel Apfel-Holunderblüten-Gelee

Eine 20 cm Springform oder eine Pieform einbuttern und mehlen. Den Ofen mit einem Backblech auf der mittleren Schiene auf 180°C vorheizen. Die Butter und den Zucker mit dem Handmixer zu einer hellen Creme aufschlagen. Das Eigelb untermischen, Mehl und Backpulver hinzugeben und mit der Hand zu einem glatten Kugel verkneten. Den Teig in zwei Hälften teilen. Während die eine Hälfte im Kühlschrank ruht, die andere Hälfte auf Waxchspapier ausrollen und in die Kuchenform legen. Die Ränder hochziehen, im Kühlschrank ebenfalls 30 Minuten kühlen.

Die Stachelbeeren putzen, die Äpfel schälen, vierteln und grob würfeln. Beeren, Äpfel, Zucker und Gelee in einen schweren Topf geben und bei mittlerer Hitze kochen, bis die Äpfel außen bereits zart, aber mit noch hartem Kern sind. Die Fruchtmasse mit einem Schaumlöffel aus dem Topf in eine Schüssel geben, die Temperatur erhöhen und den im Topf verbliebenen Fruchtsaft ca. zehn Minuten zu Sirup einkochen.

Die zweite Hälfte des Teiges zu einer Platte in der Größe der Kuchenform ausrollen. Die Fruchtmasse in die gekühlte Teigform geben, den Sirup darüberlöffeln. Die Teigränder mit Eiweiß bestreichen, die Deckelplatte über die Füllung legen und die Teigränder aneinanderdrücken. Mit dem Messer kleine Schlitze in den Deckel schneiden und mit einem Kochlöffel ein Muster in den Rand formen.

Ca. 30 Minuten goldbraun backen. Für eine besonders knusperige Kruste das Eiweiß leicht aufschlagen. Den Kuchen nach 30 Minuten kurz aus dem Ofen nehmen, mit dem Eiweiß bestreichen und mit Zucker besprenkeln, nochmals 5 – 10 Minuten backen.

Stachelbeer-Apfel-Pie aufgeschnitten

Im Englischen wird die Stachelbeere, vermutlich wegen des Gänsehaut verursachenden Geschmacks, gooseberry genannt.

Die Widerspenstige, sie hat mich gän(s)zlich gezähmt.

Nikki+++

stadtgärtchen

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Zehn Jahre ist es her, dass ich Stückchen Erde umgrub, während der nur wenige Sommer zählende Herr Erfinder und die klitzekleine Miss neben mir krabbelten, später durch die Erdklumpen wackelten, um schließlich dann selbst die Schaufel und den Rechen zu schwingen und den Garteneimer zur Badewanne zu machen. Zehn Jahre in denen manche Dinge vergingen und manche blieben. Weiterhin verweilen die Schnecken, die regelmäßig im Frühling die Schwertlilien köpfen und auch die Ameisen siedeln ihre Lausherde in schöner Regelmäßigkeit auf dem jungen Grün des Mirabellenbäumchens an.

Zehn Jahre, in denen ich gelernt habe, um welche Pflanzen Schnecken einen großen Bogen machen. Zehn Jahre, in denen sich das Mirkoklima unseres Gärtchens völlig gewandelt hat von der sonnigen Macchia zur feuchtkühlen Wildnis. Pflanzen, die unser einst sonnenverwöhntes Gärtchen liebten, sind verschwunden und Pflanzen, denen es früher bei uns zu heiß war, gedeihen nun üppig in den schattigen Ecken unter den großgewachsenen Hecken. Mein gärtnerisches Augenmerk liegt inzwischen weniger auf dem Hegen, Pflegen und dem Großziehen, als vielmehr auf dem kräftigem Rückschnitt und dem Auslichten. Was früher von mir liebevoll gepäppelt wurde, wird nun rüde reduziert.

Den Gedanken an ein Gemüsegärtchen habe ich abgesichts der übergroßen Schneckenpopulation, derer selbst die zahlreichen Igel nicht Herr werden, schon lange ad acta gelegt. Allerdings bezaubert mich Alys Idee vom essbaren Garten über die Maße, sodass sich trotzdem genügend zum Verzehr geeignetes auf unserem kleinen Stückchen Erde finden lässt. Nach zehn Jahren bringen Mirabelle, Holunder, Johannisbeere, Himbeere, Jostabeere, Brombeeren, Hopfen und Weinreben eine zwar nicht allzu opulente, aber dennoch verlässliche und für unsere saisonale Verzehrlust ausreichende Ernte hervor.

 

Kleingarten_3

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Zukünftig werde ich mein Gärtnerglück im Westen suchen. Ein wenig habe ich mich bereits versucht. Ich habe Samen der Lieblingsblüher zwischen Wäschestücken hinüber geschmuggelt und ein Wurzelstöckchen vom bayerischen Hopfen an der sonnigen Hauswand in Virginia angesiedelt. Zum bereits erwähnten Feigenbusch und dem Kirschbäumchen gesellte sich kürzlich noch ein Apfelbaum. Ich habe gelernt, dass der Gärtnerin größter Feind dort nicht die spanische Wegschnecke ist, sondern die gefräßige Rehe und Eichhörnchen sind. Kürzlich fand ich Gärtnerwissen aus alter Zeit. Beglückend.

Kleingarten_2

Zehn Jahre gegärtnert im Kleinen.
Zehn Jahre den Traum von der Wildnis geträumt.
Mein geliebtes Stadtgärtchen.

Wir genießen die gemeinsame Zeit, die uns noch bleibt bis zum Adé.

Nikki+++

herzmuskeltraining

Rosen und Himmel

Verstreut immer wieder, die Lieben und Liebgewonnenen,
über den Globus reisend bis zum Wiedersehen.
Himmelwärts, über die Rosen schauen, den Hummeln lauschen,
kreuzende Flugspuren, zerstoben im Frühsommerwind.

Abschiednehmen wird mit Übung nicht leichter.
Herzmuskeltraining.

Erinnerung an stille Tage, zwischen freundlichen Fassaden.
Schönheit im Augenblick. Hügel erklimmend mit Muskelkraft, Fahrtwind im Gesicht.
Die Zehen im wärmenden Gras, Gipfelstrahlen. Über dem Wasser, Abendsonne.
Wollflaum mit Muster, hoffnungsfroh.

Fassaden

Ajourstricken

See mit Bergen

Letzte rote Stiele, verbacken in Mürbteig und Eierschaumspitzen.

Zutaten für ein halbes Blech: 125 g Mehl, 100 g kalte Butter, gewürfelt, 25 g Zucker, eine Prise Salz, 1/4 Teelöffel Backpulver, 2 Eigelb, 300 g Rhabarber, gewürfelt, 1 Eßlöffel Mehl, 1/4 Teelöffel Zimt, 100 g rote Marmelade nach Geschmack, 2 Eiweiß, 100 g Zucker

Ofen auf 180° C vorheizen. Mehl mit Salz, Zucker und Backpulver in einer Schüssel mischen. Mehlmischung mit den Butterwürfeln zu einer krümeligen Masse verarbeiten, Eigelbe hinzugeben und zu einem glatten Teig verkneten. Den Teig ca. 30 Minuten kühlen. Anschließend auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech ausrollen, einen kleinen Rand hochziehen, mit der Gabel mehrfach einstechen und im Ofen ca. 20 Minuten vorbacken.

Rhabarberwürfel mit der Hälfte der Marmelade, dem Mehl und dem Zimt vermengen. Eiweiße aufrühren, Zucker langsam einrieseln lassen und zu steifen Spitzen schlagen.
Auf dem vorgebackenen Kuchenboden die restliche Marmelade verstreichen. Die Rhabarberwürfel darauf verteilen und den Eiweißschaum in Spitzen darübertupfen.

Weitere 20 Minuten backen, dann die Temperatur auf 60°C reduzieren, einen Kochlöffel in die Backofentür klemmen und den Eischnee noch weitere 15 Minuten trocknen lassen.

Rhabarber Baiser

Herzmuskeltraining.

Nikki+++

pendeln

Rhabarber Baiser Mürbteig Kuchen

Das Hin- und Her über das Meer wird uns alle noch eine Weile begleiten. Von beiden das Beste genießen, der alten und der neuen Welt, in jeder Hinsicht. Anders mögen wir es nicht betrachten, denn sonst würden wir irgendwann an der Pendelitis keinen Gefallen mehr finden. Es gibt noch viel zu erledigen, bevor die Bündel endgültig geschnürt werden. Wir nehmen Abschied in Raten und nähern uns an mit Gemach, fatalistisch altweltlich betrachtet. Fast scheint es, als täten uns einwanderungseitig die Formalitäten einen großen Gefallen, positiv neuweltlich betrachtet.

Bei einer der, glücklicherweise häufig auftretenden, Pendeleien fiel mir ein ganzes Kompendium an Ideen für die Verwendung von altweltlichem Rhabarber in die Hände. Vielseitig lassen sich die Roten in allerlei Feines verarbeiten. Versucht bin ich, mich langsam an die pikanten Varianten heranzuwagen. Den Anfang jedoch soll trotzdem die Verbindung von säuerlich, herben Rhabarberstücken mit einer süßen Anisstreuselhaube machen, eine nette Kleinigkeit, schnell zum Dessert bereitet, um müde Geister nach langen Tagen zum Leben zu erwecken. Die Anregung für das Rezept kam vom oben gezeigten Blatt und hat nun in der unten aufgeschriebenen, leicht abgewandelten Form ein festes Plätzchen in unserer Pendelküche gefunden.

Zutaten: 500 g Rhabarber, 4-5 El Rohrohrzucker, etwas geriebene Vanille, 3-3 El Anissamen, 100 g Rohrohrzucker, 100 g Butter, 150 g Dinkelmehl, 60 g feine Haferflocken, 1 Prise Salz

Rhabarber in Würfel schneiden, in eine gebutterte Auflaufform schichten und mit Zucker und Vanille bestreuen. Bei 200°C im vorgeheizten Backofen weich backen. Währenddessen die Anissamen kurz in der Pfanne rösten. In einer Schüssel die leicht gebräunten Anissamen mit den restlichen trockenen Zutaten vermischen. Die Butter in Würfeln dazugeben und alles mit den Fingerspitzen zu Streuseln verkrümeln. Die Auflaufform mit dem Rhabarber aus dem Ofen holen und die Streusel darüber verteilen. Weitere 20-25 Minuten backen, bis die Streusel goldbraun sind.

Noch warm mit einem Klecks geschlagener Sahne oder Creme frâiche genießen. Als Ambiente eignen sich sowohl ein regnerischer Abend im bayerischen Oberland als auch ein warmer Frühsommerabend im Commonwealth of Virginia oder alle weiteren, in individueller Zuneigung verbundenen Heimatorte.

Nikki+++

kräuterkunst

Tonbilder_Pflanzenabdruck_2

The spring came suddenly,
bursting upon the world as a child bursts into a room,
with a laugh and a shout and hands full of flowers.
Henry Wadsworth Longfellow

Tonbilder_Pflanzenabdruck_3

Zum Nachmachen mit lufttrocknendem Ton und Wiesenblumenvielfalt. Mehr Mittfrühlingsgeschichten und maigrüne Ideen bei Caros Grünzeug.

Frühlingt schön!
Nikki+++

kapriziös

Himbeer-Schokoladen-Torte

Heute stand bei unserer Suche nach dem Torten-Top-Modell eine weitere Kandidatin im Scheinwerferlich oder vielmehr in unserer vom sonntäglichen Regenhimmel nur trüb erleuchteten Küche. Auf den ersten Blick schien sie alle Wünsche des familären Kuchengeschmacks in sich zu vereinen: dunkler, schwerer Schokoladen-Himbeerboden, himmlisch leichte, fruchtige, zartrosa Himbeer-Baiser-Buttercreme und ein Häubchen aus zartbitterer Schokokruste.

Dennoch, die Kandidatin gebärdete sich äußerts kapriziös. Sie entäuschte beim Casting für den Kuchenboden, der zu dicht einer gewissen Leichtigkeit entbehrte. Die Himbeer-Baiser-Creme-Challenge war mehr als nur Herausforderung, geronn sie doch zur fein schmeckenden, jedoch nicht so hübsch anzusehenden, geflockten Masse. Die endgültige Entscheidung fiel mit der Schokoladenhaube, die anders als gewünscht sich mit der Baisercreme unschön vermengte und nicht elegant fließend, sondern schwerfällig über den Laufsteg schleppte.

Allein innere Werte konnte die Kandidatin in den Augen der Jury nicht retten. Trotz guten Geschmacks wird diese Tortenmadame zu Hause bleiben müssen.

Nikki+++

saumselig

Weben_Wandbehang_2

Eigentlich sollte ich mir derzeit hauptsächlich Gedanken über textiles Gestalten im künstlerisch-therapeutischen Kontext machen, um dann diese, hoffentlich klugen Erkenntnisse in Buchstabenform zu einem kleinen, feinen, auf Papier gedruckten Exkurs zu verweben. Doch wie gerne verzögert man solche Aufgaben, in meinem Falle dann auch noch mit Vorliebe durch praktischen Testreihen der eigentlich abstrakt zu beschreibenden Technik, sozusagen saumselig im Selbstversuch.

Solch selbstversuchende Verzögerung ereigenete sich kürzlich an einem stillen, kaffeduftumwehten, nicht nur saumseligen, sondern ebenso noch etwas traumseeligen Sonntagmorgen. Auf und ab hüpfte das Schiffchen, mit bunten Fäden und Resten von ungesponnener Wolle bestückt, segelte es hin und her über den Rahmen, der noch aus grauer Schulvorzeit stammen muss. Anstatt Buchstaben verwoben sich Fädchen zu einem kleinen, feinen, saumseligen Exkurs aus Textil. Die Quasten taten mir besonders gut, so herrlich zurückversetzend in die quastenverzierte Trompetenärmel-Schlaghosen-Häkelwesten-Kinderzeit. Wer eine sechs im Geburtsjahrzehnt trägt, der weiß sicher, was ich meine. Die Inspiration für die nun täglich die Frühstückslaune hebende Übersetzung des Wandbehangs ins einundzwanzigste Jahrhundert kam von hier und hier.

Weben_Wandbehang_5
Weben_Wandbehang_4

we | ben, starkes und schwaches Verb

    1. Längs- und Querfäden zu einem Gewebe kreuzweise verbinden
    2. durch Weben herstellen
    1. (gehoben) [als geheimnisvolle Kraft] wirksam, am Werk sein
    2. (gehoben) auf geheimnisvolle Weise allmählich entstehen 

Weben_Wandbehang_7_kopie
Seelig sei jene, die Zeit vergessend, saumseelig wöbe.

Nikki+++

anders grün

Pond_Turtle in the sun

In unserem Haus leben mit der kleinen Miss auch der Herr Erfinder und sein Kumpan, der Fährtensucher. Wir wollen nicht verhehlen, dass die beiden sehr gerne und ausführlich vor allerlei elektronischem Spielgerät verweilen und sie oft nur unter Androhung schlimmster Übel zu bewegen sind, den Ausschaltknopf zu drücken. Ist diese Herausforderung jedoch gemeistert, dann zieht es sie ins Grün, das sich hinter dem Haus in Üppigkeit auftut.

Der dichte Wald mit dem wild rauschenden Bach wird hier park genannt. Für unsere verzärtelten Seelen von der anderen Seite des Atlantiks, die eine über Jahrhunderte kultivierte Landschaft gewohnt sind, handelt es sich hier jedoch eher um eine ungebändigte, geheimnisvolle, dämmerige Wildnis voll wundersamen Getiers, das wir bisher nur selten und dann eher im Tierpark zu sehen bekamen. Im Frühling kommt der Wald noch licht und lieblich daher, der creek mäandert friedvoll durch einen Teppich aus Frühlingsblühern und der Himmel spannt sich lichtblau über den sanft wogenden Baumkronen. Je mehr der Sommer jedoch voranschreitet, desto undurchdringlicher wird das Gehölz, der Bach schwillt an unter den heftigen Sommergewittern und verlässt auch gerne mal sein Bett. Hohe Bäume werde von tosenden Stürmen gefällt und der Liebgewonnene schneidet daraus freudig Feuerholz für den Winter. Gefährlich klingende, unbekannte Tiere und Pflanzen lauern dann auf uns im dunkelgrünen Gebüsch: poison ivy, snapping turtle, copperhead snake und red velvet ant. Die Einheimischen erzählen uns mit Vorliebe Geschichten von Bären, die des Winters ihre Beute im Garten verspeisen und warnen uns vor der schrecklichen Pain, die der giftige Efeu verursacht, den wir bisher im Wald vor lauter Blättern nie erkennen konnten. Nie vergesse ich den Schreck, der mir durch die Glieder fuhr, als ich bei einem morgendlichen Lauf plötzlich direkt in die dunklen Augen eines Rothirsches blickte. Im ersten Sommer hielt die kleine Miss den schwirrenden Chor der Zikaden, der von Juni bis Oktober die Luft erfüllt, für das Zischeln der Schlangen und der Gestank der gewaltigen snapping turtle, die sich im Netz verfing, waberte dem Herrn Erfinder noch eine ganze Zeit lang in der Nase.

Nach nunmehr zwei Sommern sind wir ein wenig gelassener im Umgang mit der überseeischen Natur. Der Herr Erfinder und der Fährtensucher stapfen barfuß durch den Uferschlamm und versuchen sich im Fangen der Forellen, die den Bach bevölkern und die kleine Miss blickte im letzten Sommer mit Flip Flops und Bikini bewaffnet forsch der Schlange ins Auge, die sich auf dem Pfad zum nachbarschaftlich geteilten Schwimmbad sonnte. Wir haben gelernt, dass die hohen, dicht belaubten Bäume in den heißen Sommern Kühle und Schatten spenden, dass die Flüsse die Glieder erfrischen und nicht erstarren lassen und dass uns das üppige, feuchte Grün handtellergroße Schmetterlinge, Gottesanbeterinnen, Kolibris und andere zauberhafte Kreaturen beschert.

So manche Unsicherheit mit der rauen Natur der Neuen Welt wird wohl noch eine Weile unbewältigt bleiben. Dennoch, in diesem Jahr bezauberten uns im Frühling die Wasserschildkröten im Teich neben dem Baseball Feld und der eleganten Graureiher, der sich auf einem Stein im Bach niederließ.

Pond_Schildkröte

Frühlingsgrün, so anders, als wir es bisher kannten, heute im Besonderen für Caros Grünzeug.

Nikki+++